LP (180g blue-Vinyl) GRV1010
Bennie Wallace
Moodsville
I’ll Never Smile Again
Con Alma
April In Paris
Milestones
When A Man Lives A Woman
Love For Sale
My Little Brown Book
I Concentrate On You
A Flower Is A Lovesome Thing
Bennie Wallace – Tenorsaxophon
Mulgrew Miller – Piano
Peter Washington – Bass
Lewis Nash – Drums
Aufnahmejahr: 2001
Warnung I: Es sind unbestritten ganz grosse Töne, die da einer gespuckt hat. Aber sie sagen Grosses aus über einen ganz Grossen, und darum seien sie als Intro einfach mal wiedergekaut. Die Rede ist von Bennie Wallace, geboren in Chattanooga, Tennessee, Jahrgang 1946, Tenorsaxophonist.
„Wie durch ein Prisma hat sich Bennie Wallace aus dem Werk seines wichtigsten Einflusses, Sonny Rollins, die Saxophonsprache der gesamten Tradition erschlossen und sie als einer der wenigen nicht übermächtig von John Coltrane beeinflussten Bläser seiner Generation in einen eigenständigen modernen Stil transformiert. In seinem vom tiefsten Bassbereich bis in die Falsetti powervollen, rhapsodischen, oft etwas vor dem Beat drivenden Spiel lebt der verschwenderische Sound eines Coleman Hawkins ebenso fort wie die weite, eckige, an Thelonius Monk erinnernde Intervallik Eric Dolphys, die Wärme einer Ben Webster-Balladeninterpretation wie auch die boppige Geläufigkeit eines Charlie Parker bzw. Don Byas, die elegante melodische Flüssigkeit Lester Youngs wie Archie Shepps vehementer Cry“ (Jazz-Lexikon).
Also: Da ist nicht eben viel von höchstem Rang und Namen auf der Strecke geblieben, was sich im Gebläse Bennie Wallace’s nicht repräsentiert finden würde – nicht vereinnahmt und „geklont“ allerdings, sondern vereint und zu einem neuen grossen Ganzen weitergesponnen. – Nach seinen konzertabstinenteren 90er Jahren, in denen er sich in Hollywood vorwiegend der Filmmusik widmete, besann sich der grandiose Bläser ab 1998 wieder auf seine Herkunft, Lust und Durst nach Aufnahmen und Auftritten zogen ihn zurück ins Studio und auf die Bühne (Berlin – Live-Album), und 2001 spielte er in New York sein jüngstes Album „Moodsville“ ein. Und nun eben, wer Appetit auf ganz grosse Töne wie oben hat, die klingen dann so:
Da hornt der Mann im Alleingang die Tür sperrangelweit auf zu einem enorm relaxten Blues, haucht und streichelt die Töne geradezu aus seinem Sax, dasselbe tun die grossartigen Begleitmusiker mit ihren Instrumenten – es folgt ein flammender Tango – dann ein versponnener Frühlings-Spaziergang durch die Stadt der Liebe – ein fast schon sportlich lockeres Hüpfen über Miles’ Meilensteine – ein wunderbares Kontrastprogramm zur Plattenmitte, denn „When A Man Loves A Woman“ ist (bisweilen) eine leise Angelegenheit, während „Love For Sale“ (bisweilen) eine stürmische Affäre sein mag – wieder behutsam, aber welche Töne holt der Mann aus seinem Ding – nochmals lateinische Klänge, Schmetterlinge im Bauch, die er sich auf der Zunge zergehen zu lassen scheint und in den Himmel bläst – und dann klingt’s lieblich aus wie eine duftende Blume.
Warnung II: Etwa so tönt das, was der Intro-Mensch gemeint hat, wenn der Wallace das tut, was er mit seinem Horn so anders als die anderen zu tun pflegt. Da ist der zuhörende Mensch vom ersten Schranz bis zum letzten Hauch hoffnungslos und liebendgern gefangen in „Moodsville“.
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