Stewart Brown von Testament, UK überrascht mit Vinyl-Reissues der einzigartigen Aufnahmen von Michael Rabins Violinkonzert-Studioeinspielungen – die musikalisch und klanglichen Highlights des amerikanischen Ausnahme-Geigenvirtuosen stammen aus den späten Fünfzigerjahren, waren jahrzentelang nicht mehr erhältlich und sind als Originale extrem gesuchte Sammlerstücke.
Die Geschichte vom Wunderkind Michael Rabin zu einem der grössten Violinvirtuosen, der Plattenfirmen und dieser Aufnahmen liest sich wie ein Krimi...
In den letzten elf Jahren seines Leben war Michael Rabin ohne einen aktiven Plattenvertrag. Aus einem Interview, das er sechs Monate vor seinem Unfalltod gab, wissen wir, dass ihn das schmerzte. Rabin sehnte sich danach, die Concertos von Beethoven und Brahms aufzunehmen, und er sah weitere Möglichkeiten, das Repertoire der Violinisten/Komponisten des 19. Jahrhunderts zu erforschen. Aber dies sollte nicht mehr geschehen.
Wäre es anders gekommen, wenn Rabin bei EMI geblieben wäre, so wie Walter Legge es gewollt hatte? Schadete es seinen langfristigen Perspektiven im Schallplattengeschäft, dass er sich für Capitol und gegen EMI entschied, aus Gründen, die vermutlich ganz einfach darin bestanden, weniger reisen zu wollen, indem er eine direkte Verbindung zu jemandem trennte, der die Fähigkeit hatte zu hören, was abgebrühte Marketingleute nicht hören konnten? Ende 1964 akzeptierte Rabin von EMI ein niedrigeres Honorar für die erneute Veröffentlichung seiner Aufnahmen, jedoch gab es auch diese dürftigen Angebote innerhalb weniger Jahre nicht mehr. „Ausser zwei oder drei Aufnahmen sind alle gelöscht worden“, erklärte er reumütig dem Philadelphia Inquirer. „Ich habe versucht Capitol zu veranlassen, sie neu aufzulegen oder mir die Rechte an ihnen zu überlassen, aber nichts ist passiert. Vermutlich kann ich den Plattenfirmen nicht die Schuld daran geben, dass sie mir nicht geholfen haben. Wie ich höre, ist das Geschäft mit klassischer Musik in Schwierigkeiten ...“ Mit diesem Eingestehen der Niederlage endeten jedoch nicht die Versuche, sein aufgezeichnetes Vermächtnis neu herauszubringen. Nach dem Tod ihres Sohnes nahm sich Jeanne Rabin der Sache an. Sie schrieb an EMI und Capitol und äusserte den Wunsch, die Aufnahmen auf eigene Kosten neu herauszugeben. Es war die Rede davon, dass sie Capitol einen Dollar pro Pressung bezahlte. Das Geld aus dem Erlös sollte zur Gründung eines Treuhandfonds zum Gedächtnis und im Namen ihres Sohnes verwendet werden. Auch dies geschah nie. Aber die Binsenweisheit, dass grosse Kunst dazu neigt, den Künstler zu überleben, wird bestätigt durch das posthume Schicksal von Rabin. 50 Jahre nachdem er zum letzten Mal ein Aufnahmestudio als Capitol-Künstler betreten hat, gibt es diese Neuauflage seiner EMI-Aufnahmen. Der Schauer der Erregung bleibt. Die Anziehungskraft von Rabin wurde weder durch den Verlauf der Zeit noch durch seine vereitelten Erwartungen gemindert.
(von Anthony Feinstein; Auszug aus dem Booklet-Text der CD-Ausgabe)
33CX1281 Glazounov/Paganini: Violin Cocertos - Michael Rabin, Lovro von Matacic, Philharmonia Orchestra
33CX1422 Tchaikovsky: Violin Concerto Op. 35 - Michael Rabin, Aleso Galliera, Philharmonia Orchestra
33CX1538 Bruch/Wieniawski: Scotish Fantasy/Conc.1 - Michael Rabin, Sir Adrian Boult, Philharmonia Orchestra
33CX1597 Mendelssohn/Ravel: Violin Concerto/Tzigane - Michael Rabin, Boult/Galliera, Philharmonia Orchestra
SP8506 Michael Rabin: Mosaics - with Leon Pommers, Piano
SP8510 Michael Rabin: The Magic Bow - Felix Slatkin, Hollywood Bowl Symphony Orchestra